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Kundenrückgewinnung

Kundenrückgewinnung

Autor: Mag. Holger Sicking, IC Consulting GmbH

Über den Autor:

Mag. Holger Sicking

Holger Sicking ist seit 2001 statistischer Leiter bei der IC Consulting GmbH in Wien und als Dozent an der Fachhochschule Wien tätig. Themenschwerpunkte sind Preismanagement, Markenbewertung und Produktentwicklung mit spezifischer Anwendung neuer statistischer Verfahren (u.a. Choice Based Conjoint, Hierarchical Bayes Schätzmethoden). Wissenschaftliche Veröffentlichungen finden sich u.a. bei Trommsdorff (Buch Handelsforschung 2005) und im GFK Jahrbuch 2006.

 


Der Artikel schließt an den letzten Artikel über Kundenbindung an und stellt in Grundzügen dar, worauf es bei der Kundenrückgewinnung ankommt. Im zweiten Teil werden einige Marktforschungsmethoden skizziert, die bei diesem wichtigen Thema besonders hilfreich sein können.

Abgewanderte Kunden ein Tabuthema?


Das Bewusstsein und die Bedeutung von Zufriedenheit und Kundenbindung sowohl auf Kunden- als auch auf Mitarbeiterseite sind mittlerweile in den meisten Unternehmen vorhanden. Das Thema Kundenrückgewinnung wird jedoch selten direkt angesprochen, denn schließlich verliert man als erfolgreiches Unternehmen keine Kunden.

 

Die regelmäßige Evaluierung der Kundenzufriedenheit bzw. eine funktionierende Beschwerde- und Reklamationsbearbeitung sind zweifelsohne ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Aber was ist mit den Kunden, die sich weder beschweren noch ihren Unmut äußern – beschränkt ein Unternehmen seine Aktivitäten auf die beiden erstgenannten, wird es nie erfahren, welche Kunden es nicht mehr gibt und welches Potential unausgeschöpft bleibt.

 

Kundenrückgewinnung ist keine Hexerei!

 

Es bedarf einfach einer systematischen Vorgehensweise innerhalb des Unternehmens im Sinne von definierten Prozessschritten und einer entsprechenden Einbettung in die Unternehmenskultur. Verlorene Kunden bedeuten, dass das Unternehmen oder die zuständige Person einen Fehler gemacht hat. Fehler werden selten als Chance für Qualitätsverbesserung gesehen, sondern meist totgeschwiegen. Ist das Thema "verlorene Kunden" jedoch fest verankert – sowohl in den Prozessen als auch der Kultur und wird vom Management vorgelebt, dann ist das durchaus eine lohnende Investition.

 

Je nach Branchen ergeben Untersuchungen einen Return on Customer Recovery (RoCR) von mehr als 100%. Bei der Berechnung des Return on Customer Recovery wird versucht, die Aufwendungen für die Rückgewinnung den Erlösen aus der Wiedergewinnung bzw. dem vermiedenen Marktschaden durch Abwanderung gegenüberzustellen. Je höher der Customer Lifetime Value in einer Branche umso höher ist auch der Return von Customer Recovery. Fakt ist, dass wieder gewonnene Kunden im Schnitt eine höhere Profitabilität aufweisen als permanent treue Kunden.

 

Durch die Implementierung der folgenden 5 Schritte ist ein wesentlicher Grundstein zur erfolgreichen Kundenrückgewinnung gelegt:

 

1.       Identifikation verlorener Kunden

 

Nur bei echten Abwanderern lohnt der Aufwand, d.h. diese müssen auch weiterhin einen Bedarf an Ihren Produkten/Leistungen haben bzw. decken diesen aktuell bei der Konkurrenz. Oft wandern Kunden nicht ganz ab – sondern verlagern die wichtigen Produkte zur Konkurrenz (z.B. Anlageprodukte bei der Konkurrenzbank, ein Konto bleibt bei der Hausbank, allerdings mit wenigen Bewegungen). Verlorene Kunden können daher auch jene sein, bei denen der Share of Customer Wallet (wie viel % des Kundenbedarfes deckt Ihr Unternehmen) signifikant gesunken ist. Hier gilt es Zielgrößen festzulegen.

 

2.       Analyse

 

Was sind die Gründe für die Kundenabwanderung? Sind das einzelfallbezogene Gründe oder systematisch auftretende? Bei welchen Kunden lohnt sich – unter Berücksichtigung ihrer spezifischen Abwanderungsgründe – die Einleitung welcher Wiedergewinnungsmaßnahmen? Hierzu kann eine Portfolioanalyse (Wahrscheinlichkeit der Rückgewinnung und Kundenattraktivität im Sinne der Umsätze und weiteren Lebensdauer des Kunden) oft hilfreiche Inputs liefern.

 

3.       Problembehebung

 

Kunden können nur wieder gewonnen werden, wenn die Ursache für Abwanderung behoben wird. Häufige Ursachen oder Abwanderungsgründe liegen gar nicht im Produkt oder der Leistung selbst, sondern vielmehr an der Kommunikation (d.h. mangelhafte Kommunikation mit dem Kunden, Probleme mit Ansprechpersonen im zwischenmenschlichen Bereich, Organisationsstruktur und Zuständigkeiten).

 

4.       Einleitung von Rückgewinnungsmaßnahmen

 

Schaffen Sie Anreize für die Rückkehr des Kunden (finanziell, materiell, immateriell) und geben Sie ihm das Gefühl, dass er wichtig ist.

 

5.       Nachbetreuung

 

Binden Sie wieder gewonnene Kunden verstärkt ans Unternehmen, z.B. durch eine verstärkte Einbindung in die Produktentwicklung, Qualitätsverbesserung etc.

 

Um das Thema erfolgreich im Unternehmen zu meistern, müssen nun „nur mehr“ die entsprechenden Strukturen und Hierarchien sowie entsprechende Anreize für die Mitarbeiter (Zielvereinbarungen etc.) geschaffen werden, damit das ganze nicht nur auf dem Papier nett anzusehen ist, sondern auch gelebt wird.

 

 

Marktforschung bei der Kundenrückgewinnung

 

Kundenrückgewinnung ohne Marktforschung oder Data Mining ist nicht möglich. Nur wenn man weiß, warum Kunden dem Unternehmen den Rücken gekehrt haben und welchen Verlust damit verbunden ist, kann man systematische Kundenrückgewinnung betreiben.

Dazu sind einige Instrumente besonders sinnvoll:

 

Data Mining: Suche nach Karteileichen und echten Ansatzpunkten

 

Die Zielgruppe von Kundenrückgewinnungsmaßnahmen kann sich aus einer Analyse der bestehenden Datenbanken ergeben. Als Zielgruppe interessant sind allerdings nicht alle Kunden, die keinen Umsatz mehr tätigen. Kunden, die einfach keinen Bedarf mehr haben oder aus unbeeinflussbaren Gründen nicht mehr aktiv sind, können durch Data Mining ebenso gefiltert werden wie jene Kunden, deren bisheriges Umsatzvolumen keine Maßnahmen rechtfertigt. Nicht vergessen werden dürfen Kunden, die zwar noch aktiv sind, aber nur mehr wesentlich geringere Umsätze tätigen. Data Mining ist in erster Linie durch IT und softwaretechnische Unterstützung zu bewältigen.

 

 

Eng verbunden mit dem Data Mining ist das Clustering, welches als Gruppenbildung bezeichnet werden kann und auch auf bestehenden Datenbeständen aufbaut. Es könnte z.B. alle Kunden, die innerhalb des letzten Jahres ihren Vertrag gekündigt haben in Bezug auf ihre Verhaltensänderung während der Vertragslaufzeit hin untersucht werden. Kunden mit sehr ähnlichem Verhalten würden in gemeinsamen Gruppen zusammengefasst und ein allgemeines Gruppenprofil würde erstellt. Dieses hilft dann in Zukunft bei der Früherkennung von abwanderungsgefährdeten Kunden.

 

Root-Cause-Analysis: Suche nach wahren Abwanderungsmotiven

 

Erfahrene Marktforscher wissen, dass eine direkte Frage nicht immer die tatsächlichen Antworten erschließt. Abgewanderte Kunden sind ein klassisches Anwendungsbeispiel. Auf die Frage, warum man das Unternehmen gewechselt hat, werden rasch sozial erwünschte Antworten wie „Bin bereits versorgt“, „Habe ein besseres Angebot erhalten“ gegeben. Antworten, die oft weder die wahren Motive widerspiegeln, noch gute Ansatzpunkte für Rückgewinnungsmaßahmen eröffnen. Eine wesentlich geeignetere Maßnahme stellt die Root-Cause Analyse dar. Hier wird in Rahmen von Tiefeninterviews jedes genannte Problem solange hinterfragt, bis man zu den echten Gründen eines Wechsels kommt. Derartige Interviews können nur von Drittinstitutionen sinnvoll durchgeführt werden und zeigen immer direkte Ansatzpunkte für Maßnahmen.

 

Kundenstromanalyse

 

Es besteht seitens der Marktforschung die Möglichkeit Kundenströme zu analysieren. Basierend auf qualitativen Voruntersuchungen werden durch quantitative Interviews abgewanderte Kunden hinsichtlich ihres früheren und derzeitigen Kaufverhaltens befragt. Im Mittelpunkt steht die Frage nach dem Wohin und dem Warum! Mit Hilfe von Korrelationsanalysen und Entscheidungsbäumen lassen sich Zusammenhänge und Stromdiagramme aufstellen, die zeigen wohin die Kunden gewandert sind und was die ausschlaggebenden Gründe für diesen Wechsel waren. So könnte eine solche Analyse zeigen, inwiefern der Preis das Hauptargument für den Wechsel zu einem speziellen Mobilfunkanbieter war.  

 

 

Sollten Sie weitere Fragen haben, bzw. sich für ein Angebot im Bereich der Kundenrückgewinnung in Verbindung mit einer Auftragsmarktforschung interessieren, kontaktieren Sie bitte:

 

info@markt-studie.de

 

Wir stellen dann gerne den direkten Kontakt mit Ihrem Ansprechpartner bei der IC Consulting GmbH her.


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